Der Polarstern steht seit Jahrhunderten für Orientierung. Seeleute, Wanderer und Reisende haben sich an ihm ausgerichtet, weil er Nacht für Nacht an derselben Stelle steht. Hier erfährst du, wo du ihn findest, warum er stillzustehen scheint und warum er nicht für immer unser Polarstern bleibt.
Wo steht der Polarstern?
Der Polarstern steht immer im Norden – in Deutschland etwa auf halber Höhe zwischen Horizont und Zenit. Seine Höhe über dem Horizont entspricht ziemlich genau deinem Breitengrad.
In München steht er also rund 48 Grad hoch, in Hamburg rund 53 Grad. Am Nordpol stünde er direkt über dir, am Äquator läge er auf dem Horizont. Diese einfache Beziehung haben Seefahrer jahrhundertelang genutzt, um ihre geografische Breite zu bestimmen.
Er gehört zum Sternbild Kleiner Bär. Dessen sieben hellere Sterne bilden den „Kleinen Wagen“, und der Polarstern ist der letzte Stern seiner Deichsel. Außer dem Polarstern und den beiden Sternen am anderen Ende sind die Sterne des Kleinen Wagens allerdings recht lichtschwach – in der Stadt siehst du oft nur den Polarstern selbst.
So findest du den Polarstern über den Großen Wagen
Verlängere die hintere Kante des Großen Wagens etwa fünfmal nach oben – dann triffst du auf den Polarstern. Diese Methode funktioniert das ganze Jahr.
- Suche den Großen Wagen: sieben helle Sterne in Form eines Wagens mit Deichsel. Er steht in Deutschland immer am Nordhimmel, im Frühling hoch über dir, im Herbst tief über dem Horizont.
- Nimm die beiden hinteren Sterne des Wagenkastens, Merak und Dubhe – also die Kante gegenüber der Deichsel.
- Verlängere die Linie von Merak über Dubhe hinaus um etwa das Fünffache ihres Abstands.
- Dort steht ein einzelner, mittelheller Stern ohne auffällige Nachbarn: der Polarstern.
Das Bild oben zeigt genau diese Hilfslinie. Live und für deinen Ort kannst du es in unserer Karte Sternenhimmel heute ausprobieren: Dreh den Blick nach Norden, dann siehst du beide Wagen.
Warum der Polarstern stillsteht
Der Polarstern steht fast genau in der Verlängerung der Erdachse – deshalb dreht sich der ganze Himmel um ihn. Alle anderen Sterne ziehen im Laufe der Nacht in Kreisen um diesen Punkt.
Auf Langzeitbelichtungen von Fotos wird das sichtbar: Die Sterne zeichnen Kreisbögen, in der Mitte steht fast unbewegt der Polarstern. Ganz genau trifft er den Himmelsnordpol allerdings nicht; er liegt etwa 0,7 Grad daneben – knapp anderthalb Vollmondbreiten. Für Orientierung mit bloßem Auge spielt das keine Rolle.
Sterne in seiner Nähe gehen in Deutschland nie unter. Man nennt sie zirkumpolar. Dazu gehören neben dem Kleinen Bären auch der Große Wagen, Kassiopeia und der Drache.
Nicht der hellste, aber ein besonderer Stern
Mit etwa 2 mag ist der Polarstern ein mittelheller Stern – viele Menschen erwarten ihn heller. Dutzende Sterne leuchten stärker, allen voran Sirius, der hellste Stern des Nachthimmels.
Dabei ist der Polarstern in Wirklichkeit ein Riese: ein gelber Überriese, mehr als tausendmal leuchtkräftiger als unsere Sonne. Dass er uns nicht heller erscheint, liegt an seiner Entfernung von rund 430 Lichtjahren.
Er ist außerdem ein Cepheid, ein pulsierender Stern: Seine Helligkeit schwankt in knapp vier Tagen um einen kleinen Betrag, mit bloßem Auge nicht erkennbar. Und er ist nicht allein. Teleskopisch zeigt sich ein Begleitstern, ein weiterer umkreist ihn so eng, dass er erst mit dem Weltraumteleskop Hubble direkt abgebildet werden konnte. Der Polarstern ist also ein Mehrfachsystem.
Der Polarstern wechselt – sehr langsam
Die Erdachse taumelt wie ein Kreisel und zeigt im Laufe von rund 26.000 Jahren auf verschiedene Sterne. Der Polarstern ist deshalb nur vorübergehend unser Polarstern.
Zur Zeit der ägyptischen Pyramiden lag der Himmelsnordpol in der Nähe des Sterns Thuban im Sternbild Drache. Heute nähert er sich dem Polarstern noch etwas an. In rund 12.000 Jahren wird die helle Wega im Sternbild Leier in der Nähe des Pols stehen. Diese Bewegung heißt Präzession – sie ist auch der Grund, warum Sternzeichen und Sternbilder heute nicht mehr zusammenpassen (mehr dazu im Sternzeichen-Rechner).
Der Polarstern als Symbol
Der Polarstern steht für Orientierung, Verlässlichkeit und Heimkehr. Kein Wunder, dass er in Liedern, Gedichten und Widmungen auftaucht: „Du bist mein Polarstern“ heißt so viel wie „An dir orientiere ich mich“.
Den Polarstern selbst kann niemand taufen – er trägt seit Jahrhunderten seinen Namen. Wer das Bild trotzdem verschenken möchte, kann einem anderen, gut sichtbaren Stern einen persönlichen Namen geben: Mit der Einzelsterntaufe wird ein echter Stern im Stardust-Sternregister auf deinen Wunschnamen eingetragen. Ehrlich gesagt ist das ein symbolisches Geschenk – offizielle Sternnamen vergibt nur die Internationale Astronomische Union. Wie du einen getauften Stern am Himmel findest, zeigt der Ratgeber Stern finden.
Ein heller Stern mit deinem Namen: Mit der Einzelsterntaufe in der Stufe „Leuchtend“ taufst du einen der hellsten verfügbaren Sterne – sichtbar selbst aus der Stadt.
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