Wega ist der Stern der Sommernächte. Wer im Juli oder August auf der Wiese liegt und nach oben schaut, sieht sie fast genau über sich: einen hellen, leicht bläulich-weißen Stern. Für Astronomen ist Wega seit über hundert Jahren ein Bezugspunkt – und in ferner Zukunft wird sie sogar zum Polarstern.
Wo du Wega findest
Im Sommer steht Wega abends fast senkrecht über dir – sie ist der hellste Stern hoch am Himmel. Ein Fehlgriff ist kaum möglich: In dieser Gegend des Himmels leuchtet kein anderer Stern so hell.
Wega gehört zum kleinen Sternbild Leier. Neben ihr bilden vier schwächere Sterne ein schmales Parallelogramm, das man mit etwas Fantasie als Leier oder Harfe sehen kann. In der Stadt ist es oft kaum zu erkennen, Wega selbst aber immer.
Weil Wega so weit im Norden steht, siehst du sie fast das ganze Jahr: im Frühling in der zweiten Nachthälfte und am späten Abend im Nordosten, im Sommer hoch im Zenit, im Herbst abends im Westen und im Winter tief über dem Nordhorizont. In Norddeutschland geht sie gerade so nie ganz unter. Wo Wega heute steht, zeigt die Live-Karte Sternenhimmel heute.
Wega und das Sommerdreieck
Wega bildet mit Deneb im Schwan und Atair im Adler das Sommerdreieck – die wichtigste Orientierungsfigur des Sommerhimmels. Wega ist die hellste und höchststehende Ecke.
Von Wega aus findest du Deneb links von ihr (im Osten), etwas schwächer, am Kopf des großen Kreuzes, das der Schwan bildet. Atair steht deutlich weiter südlich, erkennbar an zwei schwächeren Sternen, die ihn links und rechts begleiten. Durch das Dreieck zieht sich unter dunklem Himmel die Milchstraße.
Das Sommerdreieck ist kein offizielles Sternbild, sondern ein sogenannter Asterismus – eine auffällige Sternfigur aus Sternen verschiedener Sternbilder, ähnlich wie der Große Wagen.
Ein Bezugsstern der Astronomie
Lange war Wega der Nullpunkt der astronomischen Helligkeitsskala: Ihre Helligkeit wurde auf 0 mag festgelegt. Daran wurden andere Sterne gemessen.
Wega war außerdem der erste Stern, der fotografiert wurde – 1850 an der Sternwarte der Harvard-Universität. 1872 wurde von ihr auch eines der ersten Sternspektren fotografisch aufgenommen. Wega ist mit rund 25 Lichtjahren nah, hell und gut zu beobachten – ideale Voraussetzungen für solche Pioniermessungen.
Physikalisch ist Wega ein weißer Stern, etwa doppelt so schwer wie die Sonne und rund 40-mal leuchtkräftiger. Sie dreht sich sehr schnell um ihre Achse, und wir blicken nahezu auf einen ihrer Pole. In den 1980er-Jahren entdeckte der Infrarotsatellit IRAS um Wega eine Scheibe aus Staub – ein Hinweis darauf, dass dort Material kreist, wie es auch bei der Entstehung von Planetensystemen vorkommt.
Wega wird Polarstern
Durch die langsame Kreiselbewegung der Erdachse rückt Wega in rund 12.000 Jahren in die Nähe des Himmelsnordpols. Dann wäre sie ein Polarstern – und ein viel hellerer als der heutige.
Die Erdachse beschreibt in rund 26.000 Jahren einen großen Kreis am Himmel. Heute zeigt sie in die Nähe des Polarsterns, vor rund 4.500 Jahren in die Nähe des Sterns Thuban im Drachen. Diese Bewegung heißt Präzession. Sie verschiebt auch die Sternzeichen gegenüber den Sternbildern, wie du im Sternzeichen-Rechner nachlesen kannst.
Wega und die Lyriden
Ganz in der Nähe von Wega liegt der Radiant der Lyriden, eines Sternschnuppenstroms im April. Die Sternschnuppen scheinen aus der Gegend der Leier zu kommen.
Die Lyriden erreichen ihr Maximum um den 22. April mit typischerweise rund 18 Meteoren pro Stunde unter Idealbedingungen. Alle Termine des Jahres findest du im Sternschnuppen-Kalender.
Ein Stern für eine Sommernacht
Wega selbst trägt ihren Namen seit Jahrhunderten – er stammt aus dem Arabischen und bedeutet etwa „herabstoßender Adler“. Taufen lässt sie sich nicht.
Wenn dich eine Sommernacht unter Wega an jemanden erinnert, kannst du einem anderen hellen Stern einen Namen geben: Mit der Einzelsterntaufe in der Stufe „Leuchtend“ wird ein besonders heller, sichtbarer Stern im Stardust-Sternregister auf deinen Wunschnamen eingetragen. Für Paare gibt es die Doppelsterntaufe. Ehrlich gesagt ist eine Sterntaufe ein symbolisches Geschenk – offizielle Namen vergibt nur die Internationale Astronomische Union.
Ein heller Stern mit deinem Namen: Mit der Einzelsterntaufe in der Stufe „Leuchtend“ taufst du einen der hellsten verfügbaren Sterne – sichtbar selbst aus der Stadt.
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