Er ist das erste Licht am Abendhimmel und das letzte am Morgen: der Morgenstern oder Abendstern. Seit Jahrtausenden fasziniert dieser auffallend helle Lichtpunkt die Menschen. Dabei ist er gar kein Stern, sondern unser Nachbarplanet Venus. Hier erfährst du, warum sie so hell ist, wann sie morgens oder abends leuchtet – und wie du sie sicher erkennst.
Morgenstern und Abendstern sind die Venus
Morgenstern und Abendstern sind zwei Namen für denselben Himmelskörper: den Planeten Venus. Ob sie morgens oder abends zu sehen ist, hängt davon ab, auf welcher Seite der Sonne sie gerade steht.
In der Antike glaubten die Griechen zunächst an zwei verschiedene Sterne und nannten sie Phosphoros (Morgen) und Hesperos (Abend). Erst später setzte sich die Erkenntnis durch, dass es ein und dasselbe Objekt ist. Im Lateinischen hieß der Morgenstern Lucifer, „Lichtbringer“.
Anders als Sterne leuchtet die Venus nicht selbst. Wie der Mond wirft sie das Licht der Sonne zurück. Durch ein Fernglas oder kleines Teleskop siehst du deshalb, dass sie Phasen zeigt – mal als kleine, fast runde Scheibe, mal als große Sichel. Galileo Galilei entdeckte diese Venusphasen 1610.
Warum die Venus so hell ist
Die Venus erreicht eine Helligkeit von bis knapp −5 mag – heller als jeder Stern und nach dem Mond das hellste Objekt am Nachthimmel. Dafür gibt es zwei Gründe.
Erstens ist sie von einer dichten Wolkendecke aus Schwefelsäuretröpfchen umhüllt, die einen großen Teil des Sonnenlichts zurückwirft. Zweitens kommt sie der Erde näher als jeder andere Planet: An ihrem nächsten Punkt ist sie nur rund 38 Millionen Kilometer entfernt. Zum Vergleich: Sirius, der hellste Stern, erreicht nur etwa −1,5 mag – die Venus ist mehr als zehnmal heller.
Unter den Wolken herrschen lebensfeindliche Bedingungen: Die Oberfläche ist über 400 Grad heiß, der Luftdruck rund 90-mal so hoch wie auf der Erde.
Wann du die Venus morgens oder abends siehst
Die Venus ist immer in der Nähe der Sonne – deshalb siehst du sie nur in der Dämmerung, entweder abends im Westen oder morgens im Osten. Die ganze Nacht über ist sie nie zu sehen.
Weil ihre Bahn innerhalb der Erdbahn liegt, entfernt sie sich von uns aus gesehen höchstens etwa 47 Grad von der Sonne. Ein vollständiger Zyklus, von Abendstern über Morgenstern zurück zum Abendstern, dauert rund 584 Tage:
- Abendstern: Die Venus steht östlich der Sonne und geht nach ihr unter. Sie entfernt sich Woche für Woche weiter von der Sonne, bis zur größten Entfernung (größte östliche Elongation), und wird dann noch heller.
- Untere Konjunktion: Die Venus zieht zwischen Erde und Sonne hindurch und ist einige Tage lang nicht zu sehen.
- Morgenstern: Sie taucht im Osten vor Sonnenaufgang auf, erreicht ihre größte westliche Elongation und nähert sich danach langsam wieder der Sonne.
- Obere Konjunktion: Die Venus steht hinter der Sonne und ist mehrere Wochen nicht zu sehen. Danach beginnt eine neue Abendsichtbarkeit.
Morgenstern und Abendstern 2026 und 2027
2026 ist die Venus bis Mitte Oktober Abendstern, ab Anfang November Morgenstern – und das bis in den Sommer 2027. Die folgenden Daten haben wir mit Bahnelementen berechnet; sie gelten auf etwa einen Tag genau.
| Ereignis | Datum (ca.) |
|---|---|
| Größte östliche Elongation (Abendstern) | 15. August 2026 |
| Untere Konjunktion (nicht sichtbar) | 25. Oktober 2026 |
| Größte westliche Elongation (Morgenstern) | 4. Januar 2027 |
| Obere Konjunktion (nicht sichtbar) | 12. August 2027 |
Wo die Venus heute steht, zeigt die Live-Karte Sternenhimmel heute – dort erscheint sie auch in der Liste der Planeten über dem Horizont, wenn sie zur gewählten Zeit sichtbar ist.
So erkennst du die Venus sicher
Ein sehr heller, ruhig leuchtender Punkt in der Dämmerung, tief im Westen oder Osten – das ist fast immer die Venus. Sie funkelt kaum, weil sie als Planet ein winziges Scheibchen ist und kein Lichtpunkt wie ein Stern.
Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit Jupiter, der ebenfalls hell ist, aber auch mitten in der Nacht hoch am Himmel stehen kann. Und immer wieder wird die Venus für ein Flugzeug oder sogar ein UFO gehalten, weil sie so ungewöhnlich hell ist. Tipp: Beobachte sie ein paar Minuten – ein Flugzeug bewegt sich, die Venus nicht.
Ein Stern statt eines Planeten
Die Venus kann man nicht taufen – und sie ist ja auch kein Stern. Wer den Gedanken an „den hellsten Stern am Himmel“ verschenken möchte, kann einem echten, hellen Stern einen Namen geben.
Mit der Einzelsterntaufe in der Stufe „Leuchtend“ wählen wir einen der hellsten verfügbaren Sterne aus und tragen ihn im Stardust-Sternregister auf deinen Wunschnamen ein. Mit der Doppelsterntaufe bekommt ein Paar zwei Sterne, die nah beieinander stehen. Ehrlich gesagt ist das ein symbolisches Geschenk – offizielle Namen vergibt nur die Internationale Astronomische Union. Was echt ist: der Stern, seine Koordinaten auf der Urkunde und sein Name auf unserer Online-Sternenkarte.
Ein heller Stern mit deinem Namen: Mit der Einzelsterntaufe in der Stufe „Leuchtend“ taufst du einen der hellsten verfügbaren Sterne – sichtbar selbst aus der Stadt.
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