Das Sternbild Zwillinge (lateinisch Gemini) gehört zu den am leichtesten erkennbaren Tierkreisbildern. Seine beiden hellsten Sterne, Kastor und Pollux, stehen am Winterhimmel wie ein Paar nebeneinander. Von dort ziehen sich zwei parallele Sternketten Richtung Orion, die Körper der beiden Brüder.
Wo stehen die Zwillinge am Himmel?
Die Zwillinge liegen auf der Ekliptik zwischen dem Stier und dem Krebs, links oberhalb des Orion. Sonne, Mond und Planeten ziehen daher regelmäßig durch das Sternbild.
Mit 514 Quadratgrad steht das Sternbild Zwillinge auf Platz 30 der 88 Sternbilder. Seine Nachbarn sind Luchs und Fuhrmann im Norden, der Stier im Westen, Orion, Einhorn und Kleiner Hund im Süden sowie der Krebs im Osten.
Die Köpfe der Zwillinge, Kastor und Pollux, bilden den Nordosten des Sternbilds. Die Füße mit Alhena und Tejat zeigen nach Südwesten, in Richtung Orion. Die Ekliptik durchquert den südlichen Teil, ganz nahe am Stern Wasat.
So findest du das Sternbild Zwillinge
Am schnellsten findest du die Zwillinge über den Orion: Kastor und Pollux stehen links oberhalb von ihm als auffälliges, helles Sternpaar. Wer den Großen Wagen kennt, kann auch von dort aus starten.
Variante 1, vom Orion aus:
- Orion suchen: Im Winter steht er abends im Süden, mit dem rötlichen Beteigeuze oben links und dem bläulichen Rigel unten rechts.
- Linie ziehen: Verbinde Rigel mit Beteigeuze und verlängere die Linie ein gutes Stück nach links oben (Nordosten).
- Das Paar erkennen: Dort stehen zwei helle Sterne dicht nebeneinander. Der etwas hellere, orangefarbene ist Pollux, der weiße Kastor.
Variante 2, vom Großen Wagen aus: Zieh eine Linie diagonal durch den Wagenkasten, vom Stern Megrez (wo die Deichsel ansetzt) zum gegenüberliegenden Merak, und verlängere sie weit nach Südwesten. Grob in dieser Richtung triffst du auf Kastor und Pollux.
Ein Merktipp für die Unterscheidung: Pollux steht näher am Prokyon im Kleinen Hund, Kastor näher am Großen Wagen. Eine drehbare Sternkarte zeigt dir für jede Uhrzeit, wo die Zwillinge stehen. Mehr Orientierungstricks findest du im Ratgeber Stern finden.
Wann sind die Zwillinge sichtbar?
Am besten siehst du das Sternbild Zwillinge in Deutschland von Januar bis März am Abendhimmel. Im Februar steht es gegen 22 Uhr am höchsten im Süden, im Januar etwa um Mitternacht.
Ab November gehen die Zwillinge am späten Abend im Nordosten auf, im April und Mai sinken sie abends in den Westen. Im Sommer sind sie unsichtbar, weil die Sonne durch das Sternbild zieht.
Warum die Zwillinge im Juni nicht zu sehen sind
Das Sternzeichen Zwillinge gilt in der Astrologie vom 21. Mai bis 21. Juni. Wegen der Präzession der Erdachse haben sich Sternzeichen und Sternbilder seit der Antike um fast ein ganzes Zeichen gegeneinander verschoben. Die Sonne steht heute tatsächlich etwa vom 21. Juni bis 20. Juli im Sternbild Zwillinge. Genau in dieser Zeit ist es nachts nicht zu sehen.
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Jetzt gestalten →Mythologie: Kastor und Pollux
In der griechischen Mythologie sind die Zwillinge Kastor und Polydeukes (lateinisch Pollux), die Dioskuren. Sie waren unzertrennlich, obwohl nur einer von ihnen unsterblich war.
Ihre Mutter war Leda, die Königin von Sparta. Pollux galt als Sohn des Zeus und damit als unsterblich, Kastor als Sohn des sterblichen Königs Tyndareos. Gemeinsam nahmen die Brüder an der Fahrt der Argonauten teil, Kastor als Pferdebändiger, Pollux als Faustkämpfer.
Als Kastor im Kampf getötet wurde, bat Pollux seinen Vater Zeus, die Unsterblichkeit mit dem Bruder teilen zu dürfen. Seither verbringen beide der Sage nach abwechselnd einen Tag in der Unterwelt und einen Tag bei den Göttern. Zeus setzte sie als Zeichen ihrer Bruderliebe an den Himmel. In der Antike galten sie auch als Schutzpatrone der Seeleute.
Besonderheiten im Sternbild Zwillinge
Die Zwillinge bieten einen der stärksten Meteorströme des Jahres, einen schönen Sternhaufen fürs Fernglas und ein überraschend komplexes Sternsystem.
- Geminiden: Der Meteorstrom hat sein Maximum um den 13./14. Dezember und gehört zu den ergiebigsten des Jahres. Ungewöhnlich: Er stammt nicht von einem Kometen, sondern vom Asteroiden (3200) Phaethon.
- Kastor: Was mit bloßem Auge wie ein Stern aussieht, ist ein System aus sechs Sternen, drei Paaren. Die beiden hellsten Komponenten lassen sich schon in einem kleinen Teleskop trennen.
- Pollux: Der orangefarbene Riese ist mit rund 34 Lichtjahren der sonnennächste Riesenstern. Um ihn kreist ein bekannter Exoplanet.
- M35: Ein offener Sternhaufen am Fuß von Kastor, der unter dunklem Himmel mit bloßem Auge als Nebelfleck erkennbar ist und im Fernglas in viele Sterne zerfällt.
- Eskimonebel (NGC 2392): Ein planetarischer Nebel, im Teleskop als kleine bläuliche Scheibe sichtbar.
- Pluto: Clyde Tombaugh entdeckte ihn 1930 in den Zwillingen, nahe dem Stern Wasat.
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Die hellsten Sterne in den Zwillingen
| Stern | Helligkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Pollux (β Geminorum) | 1,1 mag | Hellster Stern der Zwillinge, orangefarbener Riese in rund 34 Lichtjahren Entfernung, mit bekanntem Exoplaneten |
| Kastor (α Geminorum) | 1,6 mag | Gesamthelligkeit eines Mehrfachsystems aus sechs Sternen; trotz α-Bezeichnung schwächer als Pollux |
| Alhena (γ Geminorum) | 1,9 mag | Dritthellster Stern, markiert den Fuß von Pollux |
| Tejat (μ Geminorum) | ca. 2,9 mag | Leicht veränderlicher roter Riese am Fuß von Kastor |
| Mebsuta (ε Geminorum) | 3,1 mag | Überriese in der Körpermitte von Kastor |
| Wasat (δ Geminorum) | 3,5 mag | Liegt fast auf der Ekliptik; in seiner Nähe wurde 1930 Pluto entdeckt |
Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.
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