Das Sternbild Widder (lateinisch Aries) ist das erste Sternbild im klassischen Tierkreis, am Himmel aber eher bescheiden. Seine Hauptfigur besteht aus nur drei bis vier Sternen. Wer weiß, wo er suchen muss, findet den Widder an Herbst- und Winterabenden trotzdem in wenigen Minuten.
Wo steht der Widder am Himmel?
Der Widder steht auf der Ekliptik zwischen den Fischen und dem Stier, ein gutes Stück westlich der Plejaden. Er gehört damit zu den zwölf Tierkreissternbildern, durch die Sonne, Mond und Planeten im Lauf des Jahres ziehen.
Mit 441 Quadratgrad liegt das Sternbild Widder auf Platz 39 der 88 offiziellen Sternbilder. Seine Nachbarn sind Perseus und das kleine Sternbild Dreieck im Norden, die Fische im Westen, der Walfisch im Süden und der Stier im Osten. Die Ekliptik verläuft durch den südlichen Teil des Sternbilds, deshalb ziehen dort regelmäßig der Mond und die Planeten vorbei.
Ein historisches Detail: Vor rund 2.000 Jahren lag der Frühlingspunkt, also der Punkt, an dem die Sonne zum Frühlingsanfang den Himmelsäquator überquert, im Widder. Deshalb heißt er bis heute auch „Widderpunkt“, obwohl er sich durch die Präzession der Erdachse längst in die Fische verschoben hat.
So findest du das Sternbild Widder
Am einfachsten findest du den Widder über das auffällige Sternpaar Hamal und Sheratan, das zwischen den Plejaden und dem Herbstviereck des Pegasus steht. Die beiden Sterne sind hell genug, um auch bei etwas Lichtverschmutzung sichtbar zu sein.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Plejaden suchen: Das kleine, neblig wirkende Sternhäufchen im Stier fällt an Herbstabenden im Osten sofort auf.
- Herbstviereck finden: Das große Quadrat aus vier ähnlich hellen Sternen steht zur selben Zeit hoch im Süden.
- Dazwischen schauen: Ungefähr auf halber Strecke entdeckst du zwei auffällige Sterne dicht beieinander. Der hellere, orangefarbene ist Hamal, der etwas schwächere Sheratan.
- Den Haken ergänzen: Direkt neben Sheratan steht der lichtschwächere Mesarthim. Zusammen bilden die drei einen kurzen, geknickten Bogen, den Kopf des Widders.
Eine zweite Orientierung bietet die Andromeda: Unterhalb ihrer Sternkette liegt das kleine Sternbild Dreieck, und direkt südlich davon folgt der Widder. Für den ersten Versuch hilft eine drehbare Sternkarte, die dir für jedes Datum und jede Uhrzeit den passenden Himmelsausschnitt zeigt. Weitere Tipps zum Aufsuchen von Sternen findest du im Ratgeber Stern finden.
Wann ist der Widder sichtbar?
Am besten siehst du das Sternbild Widder in Deutschland von Oktober bis Januar am Abendhimmel. Im Dezember steht es gegen 21 Uhr am höchsten im Süden, im November gegen 23 Uhr.
Ab Februar sinkt der Widder am Abend immer tiefer in den Westen. Im April und Mai ist er praktisch unsichtbar, weil die Sonne dann selbst durch das Sternbild zieht und es überstrahlt. Ab dem Spätsommer taucht er in der zweiten Nachthälfte wieder im Osten auf.
Warum der Widder im „eigenen“ Monat nicht zu sehen ist
Das Sternzeichen Widder gilt in der Astrologie vom 21. März bis 20. April. In genau dieser Zeit steht die Sonne in der Nähe des Widders, und deshalb ist er nachts nicht zu sehen. Hinzu kommt die Präzession: Weil die Erdachse wie ein Kreisel langsam taumelt, haben sich Sternzeichen und Sternbilder in rund 2.000 Jahren um fast ein ganzes Zeichen gegeneinander verschoben. Tatsächlich steht die Sonne heute etwa von Mitte April bis Mitte Mai im Sternbild Widder.
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Jetzt gestalten →Mythologie: der Widder mit dem Goldenen Vlies
In der griechischen Mythologie ist der Widder das fliegende Tier mit dem goldenen Fell, das die Königskinder Phrixos und Helle vor ihrer Stiefmutter rettete. Sein Fell ist das berühmte Goldene Vlies.
Der Sage nach wollte Ino, die Stiefmutter der beiden Kinder, Phrixos opfern lassen. Ein goldener Widder trug die Geschwister durch die Luft davon. Helle stürzte unterwegs ins Meer, die Meerenge wurde nach ihr Hellespont benannt (heute die Dardanellen). Phrixos erreichte Kolchis am Schwarzen Meer, opferte den Widder und schenkte das goldene Fell dem König Aietes.
Später zog Jason mit den Argonauten los, um genau dieses Goldene Vlies zurückzuholen. Der Widder selbst wurde zum Dank an den Himmel versetzt. Der lateinische Name Aries war schon bei den Römern gebräuchlich, und auch in der babylonischen Tradition gab es an dieser Stelle bereits eine Figur.
Besonderheiten im Sternbild Widder
Der Widder hat keine großen Sternhaufen oder Nebel, die mit bloßem Auge auffallen, aber einige lohnende Ziele für Fernglas und Teleskop.
- Mesarthim (γ Arietis): Einer der schönsten Doppelsterne für Einsteiger. Schon in einem kleinen Teleskop zerfällt er in zwei fast gleich helle, weiße Sterne.
- Hamal: Ein orangefarbener Riesenstern in rund 66 Lichtjahren Entfernung. Seine Farbe erkennst du bereits mit dem Fernglas gut.
- NGC 772: Eine Spiralgalaxie, die nur im Teleskop als schwacher Nebelfleck erscheint.
- Teegardens Stern: Ein sehr lichtschwacher Roter Zwerg in rund 12,5 Lichtjahren Entfernung, einer der sonnennächsten Sterne. Er ist nur mit einem Teleskop zu sehen.
- Tages-Arietiden: Ein ergiebiger Meteorstrom im Juni, dessen Radiant im Widder liegt. Weil er tagsüber aktiv ist, wird er vor allem per Radar beobachtet.
Unter einem wirklich dunklen Himmel lohnt sich außerdem ein Blick mit dem Fernglas über die gesamte Region zwischen Widder, Dreieck und Plejaden: Dort gibt es zahlreiche schwächere Sterne, die du mit bloßem Auge nicht siehst.
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Die hellsten Sterne im Widder
| Stern | Helligkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Hamal (α Arietis) | 2,0 mag | Hellster Stern im Widder, orangefarbener Riese in rund 66 Lichtjahren Entfernung |
| Sheratan (β Arietis) | 2,6 mag | Zweithellster Stern, bildet mit Hamal das markante Sternpaar des Widders |
| Bharani (41 Arietis) | 3,6 mag | Hellster Stern im nördlichen Teil des Sternbilds |
| Mesarthim (γ Arietis) | ca. 3,9 mag | Doppelstern (Gesamthelligkeit), schon im kleinen Teleskop in zwei fast gleich helle Sterne getrennt |
| Botein (δ Arietis) | 4,4 mag | Orangefarbener Riese im östlichen Teil, Richtung Plejaden |
Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.
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