Das Sternbild Wassermann (lateinisch Aquarius) gehört zu den größeren Sternbildern am Himmel, fällt aber kaum auf: Seine hellsten Sterne sind nur dritter Größe. Trotzdem lohnt sich die Suche, denn im Wassermann verbergen sich ein markanter kleiner Wasserkrug, einer der nächstgelegenen planetarischen Nebel und der Ursprung eines Meteorstroms. Hier erfährst du, wo der Wassermann steht und wie du ihn findest.
Wo steht der Wassermann am Himmel?
Der Wassermann liegt am Herbsthimmel südlich des Pegasus, zwischen Steinbock und Fische, und wird vom Himmelsäquator durchquert. Von Deutschland aus steht er im Süden in mittlerer Höhe.
Die Ekliptik verläuft mitten durch das Sternbild, deshalb ziehen Mond und Planeten regelmäßig durch den Wassermann. Er liegt in einer Region mit vielen Sternbildern rund ums Wasser: Steinbock, Fische, Walfisch, Delphin und Südlicher Fisch sind seine Nachbarn.
Im Norden grenzt Pegasus an, im Nordwesten das kleine Füllen und der Delphin, im Westen der Adler. Südlich liegt der Südliche Fisch mit dem hellen Fomalhaut, in den der Wasserstrahl aus dem Krug des Wassermanns der Sage nach fließt.
So findest du das Sternbild Wassermann
Der beste Wegweiser ist das Herbstviereck (Pegasus-Quadrat): Der Wassermann liegt südwestlich davon, zwischen dem Viereck und dem tief stehenden Fomalhaut. Den Einstieg bildet der kleine Wasserkrug.
- Herbstviereck suchen: An einem Oktoberabend steht ein großes Quadrat aus vier etwa gleich hellen Sternen hoch im Süden. Das ist das Herbstviereck.
- Fomalhaut finden: Verlängere die rechte Seite des Vierecks (von Scheat nach Markab) weit nach unten. Fast am Horizont triffst du auf Fomalhaut, den einzigen hellen Stern in dieser Gegend.
- Skat erkennen: Auf dieser Linie, nach gut zwei Dritteln des Weges zu Fomalhaut, liegt Skat (δ Aquarii).
- Den Wasserkrug finden: Rechts der Linie, etwa eine Handbreit westlich und auf Höhe des Himmelsäquators, steht eine kleine Y-Figur aus vier Sternen: der Wasserkrug. Gleich rechts davon leuchtet Sadalmelik, noch etwas weiter rechts unten Sadalsuud.
Weil die Sterne lichtschwach sind, brauchst du einen Himmel ohne starkes Stadtlicht. Eine drehbare Sternkarte hilft beim Einordnen. Mehr Aufsuchtipps findest du im Ratgeber Stern finden.
Wann ist der Wassermann sichtbar?
Die beste Zeit für das Sternbild Wassermann sind Abende im September und Oktober. Dann steht er gegen 22 bis 24 Uhr im Süden am höchsten.
Sadalmelik und der Wasserkrug liegen fast auf dem Himmelsäquator und erreichen in Mitteldeutschland rund 40 Grad Höhe. Sadalsuud steht mit gut 34 Grad etwas tiefer, Skat mit rund 24 Grad deutlich tiefer. Im November steht der Wassermann schon am frühen Abend im Süden, im Dezember im Südwesten.
Im Sternzeichen-Zeitraum (20.01. – 18.02.) siehst du das Sternbild nicht: Dann steht die Sonne in seiner Nähe. Durch die Präzession der Erdachse hat sich der Tierkreis seit der Antike um etwa einen Monat verschoben. Heute steht die Sonne ungefähr vom 16. Februar bis 11. März im Sternbild Wassermann.
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Jetzt gestalten →Mythologie: Ganymed, der Mundschenk der Götter
In der griechischen Sage ist der Wassermann meist Ganymed, ein schöner Jüngling aus Troja, den Zeus auf den Olymp holte. Dort wurde er Mundschenk der Götter.
Zeus entführte Ganymed der Überlieferung nach in Gestalt eines Adlers. Passend dazu steht das Sternbild Adler am Himmel ganz in der Nähe des Wassermanns. Aus dem Krug des Mundschenks ergießt sich ein Strom aus schwachen Sternen nach Süden bis zum Maul des Südlichen Fisches mit Fomalhaut.
Das Bild einer Figur, die Wasser ausgießt, ist deutlich älter als die griechische Sage. Schon in Babylon kannte man an dieser Stelle eine Gestalt mit überströmendem Gefäß. Die arabischen Namen der hellsten Sterne werden meist als Glücksnamen übersetzt: Sadalmelik als „Glück des Königs“, Sadalsuud als „Glück der Glücke“.
Besonderheiten im Sternbild Wassermann
Der Wassermann hat keine hellen Sterne, aber einige bekannte Himmelsobjekte für Fernglas und Teleskop. Außerdem ist er Ausgangspunkt zweier Meteorströme.
- Helixnebel (NGC 7293): Einer der nächstgelegenen planetarischen Nebel, rund 650 Lichtjahre entfernt. Er wirkt am Himmel erstaunlich groß, ist aber so lichtschwach, dass man einen sehr dunklen Himmel und optische Hilfe braucht.
- Saturnnebel (NGC 7009): Ein kleiner planetarischer Nebel, der im Teleskop an den Planeten Saturn erinnert.
- M2: Ein heller Kugelsternhaufen rund fünf Grad nördlich von Sadalsuud, im Fernglas als runder Nebelfleck zu sehen.
- Eta-Aquariiden: Ein Meteorstrom aus Staub des Halleyschen Kometen mit Maximum um den 5. Mai. Von Deutschland aus geht der Ausstrahlungspunkt erst kurz vor der Morgendämmerung auf, deshalb siehst du hier nur wenige Sternschnuppen.
- Delta-Aquariiden: Ein weiterer Meteorstrom mit Maximum Ende Juli, ebenfalls eher schwach in unseren Breiten.
Und das oft zitierte „Zeitalter des Wassermanns“? Es stammt aus der Astrologie. Astronomisch liegt der Frühlingspunkt noch in den Fischen und erreicht den Wassermann nach den heutigen Sternbildgrenzen erst um das Jahr 2600.
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Die hellsten Sterne im Wassermann
| Stern | Helligkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Sadalsuud (β Aquarii) | 2,9 mag | Hellster Stern des Wassermanns, gelber Überriese |
| Sadalmelik (α Aquarii) | 2,9 mag | Minimal schwächer als Sadalsuud, ebenfalls ein gelber Überriese, fast genau auf dem Himmelsäquator |
| Skat (δ Aquarii) | 3,3 mag | Im Süden des Sternbilds, nahe der Linie vom Herbstviereck zu Fomalhaut |
| ζ Aquarii | 3,7 mag | Mittelpunkt des Wasserkrugs, im kleinen Teleskop ein Doppelstern |
| Sadachbia (γ Aquarii) | 3,8 mag | Teil des Y-förmigen Wasserkrugs |
Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.
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