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Sternbild Waage

Sternbild Waage (Libra): Die alten Scheren des Skorpions

Die Waage ist ein unauffälliges Sternbild tief im Süden des Frühsommerhimmels. Mit zwei Leitsternen findest du sie trotzdem in wenigen Minuten – und ihre Geschichte ist überraschend.

5 Min. Lesezeit · Aktualisiert am 15. Oktober 2026 · Von der Stardust-Redaktion

Sternbild Waage mit Zubeneschamali, Zubenelgenubi und Verbindungslinien am Nachthimmel
Sternbild
♎︎ Waage (Libra)
Sternzeichen
24.09. – 23.10.
Am besten sichtbar
Frühsommer (Mai–Juni), tief im Süden
Hellster Stern
Zubeneschamali (ca. 2,6 mag)
Nachbarn
Jungfrau, Skorpion, Schlangenträger, Schlange, Wolf, Zentaur, Wasserschlange
Sonne im Sternbild
ca. 31.10. – 22.11.
Höhe in Deutschland
max. ca. 25–30° über dem Südhorizont
Fläche
538 Quadratgrad
Besonderheit
einziges Tierkreis-Sternbild, das einen Gegenstand darstellt

Das Sternbild Waage (lateinisch Libra) ist eines der unscheinbarsten Tierkreis-Sternbilder – und gerade deshalb lohnt es sich, es einmal bewusst zu suchen. Es liegt zwischen der hellen Spica in der Jungfrau und dem roten Antares im Skorpion. Hier erfährst du, wo die Waage am Himmel steht, wann du sie von Deutschland aus siehst und welche Sterne zu ihr gehören.

Wo steht die Waage am Himmel?

Die Waage liegt südlich des Himmelsäquators zwischen den Sternbildern Jungfrau und Skorpion, direkt auf der Ekliptik. Von Deutschland aus siehst du sie deshalb immer im Süden und eher tief über dem Horizont.

Weil die Ekliptik – die scheinbare Bahn der Sonne – mitten durch das Sternbild läuft, ziehen auch Mond und Planeten regelmäßig durch die Waage. Zubenelgenubi steht so nah an der Ekliptik, dass der Mond ihn von Zeit zu Zeit bedeckt.

Ihre Nachbarn sind die Jungfrau im Westen, der Skorpion im Osten sowie Schlange und Schlangenträger im Norden. Im Süden grenzen Wolf, Zentaur und Wasserschlange an, die von Deutschland aus nur teilweise oder gar nicht über den Horizont kommen.

So findest du das Sternbild Waage

Am einfachsten findest du die Waage über zwei helle Leitsterne: Spica in der Jungfrau und Antares im Skorpion. Etwa auf halber Strecke zwischen beiden liegt Zubenelgenubi, links oberhalb davon Zubeneschamali.

So gehst du an einem klaren Abend im Juni vor:

  1. Spica suchen: Folge dem Bogen der Großen-Wagen-Deichsel zum orangefarbenen Arktur und verlängere ihn weiter nach Süden. Der nächste helle, bläulich-weiße Stern ist Spica.
  2. Antares suchen: Tief im Südosten leuchtet ein auffällig rötlicher Stern – Antares im Skorpion.
  3. Die Mitte finden: Zwischen Spica und Antares, leicht nördlich der Verbindungslinie, entdeckst du zwei mittelhelle Sterne etwa zehn Grad auseinander (eine Handbreit am ausgestreckten Arm). Der untere rechte ist Zubenelgenubi, der obere linke Zubeneschamali.
  4. Das Viereck ergänzen: Unter dunklem Himmel kommen Zubenelhakrabi (links) und σ Librae (unten) hinzu und schließen das schiefe Viereck.

Die Waage-Sterne sind nur zweiter bis vierter Größe. In hellen Städten siehst du oft nur die beiden Hauptsterne. Eine drehbare Sternkarte hilft dir, den richtigen Abschnitt des Südhimmels zur richtigen Uhrzeit einzustellen. Weitere Tipps zum Aufsuchen von Sternen findest du im Ratgeber Stern finden.

Wann ist die Waage am Himmel zu sehen?

Die beste Zeit für das Sternbild Waage sind späte Abende im Mai und Juni, dann steht es um Mitternacht herum tief im Süden. Bereits ab April taucht es nach Mitternacht auf, im Juli verschwindet es am Abend langsam im Südwesten.

Zubeneschamali erreicht in Mitteldeutschland eine maximale Höhe von rund 30 Grad, Zubenelgenubi von rund 25 Grad. In Süddeutschland stehen sie etwas höher, in Norddeutschland etwas tiefer. Ein freier Blick nach Süden ohne Bäume oder Häuser ist deshalb wichtig.

Ausgerechnet im Sternzeichen-Zeitraum der Waage (24.09. – 23.10.) ist das Sternbild nicht zu sehen. Dann steht die Sonne in seiner Nähe und überstrahlt es. Hinzu kommt die Präzession: Die Erdachse taumelt langsam wie ein Kreisel, sodass sich der Tierkreis seit der Antike um fast einen Monat verschoben hat. Tatsächlich steht die Sonne heute erst etwa vom 31. Oktober bis 22. November im Sternbild Waage.

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Mythologie: Von den Scheren des Skorpions zur Waage

Die Waage ist das einzige Tierkreis-Sternbild, das einen Gegenstand statt eines Lebewesens zeigt – und sie war nicht immer eigenständig. Die Griechen sahen in ihren Sternen die Scheren (griechisch „Chelai“) des Skorpions.

Davon erzählen bis heute die arabischen Sternnamen: Zubenelgenubi bedeutet sinngemäß „südliche Schere“, Zubeneschamali „nördliche Schere“. Auch σ Librae wurde lange als γ Scorpii zum Skorpion gezählt, bevor er im 19. Jahrhundert der Waage zugeordnet wurde.

Als Waage gedeutet wurde die Sterngruppe schon in Babylon. Bei den Römern setzte sich das Bild endgültig durch. Häufig wird die Waage mit der benachbarten Jungfrau verbunden, die als Astraea, Göttin der Gerechtigkeit, die Waage in der Hand hält. Eine verbreitete Deutung bringt das Symbol des Gleichgewichts außerdem mit der Tagundnachtgleiche im Herbst in Verbindung, die in der Antike in der Nähe dieses Himmelsabschnitts lag.

Besonderheiten im Sternbild Waage

Die Waage hat wenige auffällige Himmelsobjekte, aber einige interessante Sterne. Ein Fernglas lohnt sich trotzdem.

  • Zubenelgenubi als Doppelstern: Neben α² Librae steht der schwächere α¹ Librae (5,2 mag). Im Fernglas trennst du beide mühelos. Beide sind etwa 75 Lichtjahre entfernt und gelten als echtes, weites Sternpaar.
  • Die Farbe von Zubeneschamali: Der hellste Stern der Waage wird in älteren Beschreibungen manchmal als grünlich bezeichnet. Die meisten Beobachter sehen ihn bläulich-weiß – vergleiche selbst.
  • Gliese 581: In der Waage liegt dieser rote Zwergstern, etwa 20 Lichtjahre entfernt, um den mehrere Exoplaneten nachgewiesen wurden. Mit bloßem Auge ist er nicht sichtbar.
  • NGC 5897: Ein lichtschwacher Kugelsternhaufen, der nur im Teleskop als schwacher Nebelfleck erscheint.

Weil die Waage auf der Ekliptik liegt, lohnt sich ein Blick, wenn Mond oder Planeten in ihrer Nähe stehen. Solche Begegnungen machen das zurückhaltende Sternbild plötzlich gut erkennbar.

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Ehrlich gesagt: Offizielle Sternnamen vergibt nur die Internationale Astronomische Union (IAU), das gilt für alle Anbieter. Echt sind aber der Stern, der dauerhafte Eintrag im Stardust-Sternregister und die Urkunde mit exakten Koordinaten. Über die Online-Sternenkarte findest du den Stern jederzeit, auch im Herbst, wenn die Waage selbst nicht am Himmel steht. Die Sternzeichentaufe gibt es ab 59,90 €. Alle zwölf Tierkreis-Sternbilder im Überblick findest du unter Sternbilder.

Die hellsten Sterne in der Waage

SternHelligkeitBesonderheit
Zubeneschamali (β Librae)2,6 magHellster Stern der Waage, bläulich-weiß, rund 185 Lichtjahre entfernt
Zubenelgenubi (α² Librae)2,8 magTrotz Alpha nur Nummer zwei; mit α¹ (5,2 mag) im Fernglas ein weites Sternpaar
σ Libraeca. 3,3 magRoter Riese, leicht veränderlich; zählte früher als γ Scorpii zum Skorpion
υ Librae3,6 magOrangefarbener Stern im Süden des Sternbilds
Zubenelhakrabi (γ Librae)3,9 magÖstliche Ecke des Waage-Vierecks

Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.

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Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wann kann man das Sternbild Waage sehen?

Am besten im Mai und Juni am späten Abend, tief über dem Südhorizont. Die beiden hellsten Sterne erreichen in Deutschland nur etwa 25 bis 30 Grad Höhe. Im Herbst, also im Sternzeichen-Zeitraum der Waage, steht die Sonne in der Nähe des Sternbilds und es ist nicht zu sehen.

Was ist der hellste Stern im Sternbild Waage?

Der hellste Stern ist Zubeneschamali (β Librae) mit etwa 2,6 mag. Zubenelgenubi (α² Librae) ist mit etwa 2,8 mag etwas schwächer, obwohl er die Bezeichnung Alpha trägt. Beide Namen stammen aus dem Arabischen und bedeuten nördliche und südliche Schere.

Wie sieht das Sternbild Waage aus?

Die Waage besteht aus wenigen mittelhellen Sternen, die ein schiefes Viereck bilden: Zubenelgenubi, Zubeneschamali, Zubenelhakrabi und σ Librae. Mit etwas Fantasie erkennt man darin den Waagebalken mit zwei Schalen. Unter Stadtlicht sind meist nur die zwei hellsten Sterne zu sehen.

Warum gehörte die Waage früher zum Skorpion?

Im antiken Griechenland galten die Sterne der Waage als Scheren des benachbarten Skorpions. Erst in römischer Zeit setzte sich die Waage als eigenes Sternbild durch. Daran erinnern noch die arabischen Sternnamen Zubenelgenubi und Zubeneschamali, die südliche und nördliche Schere bedeuten.

Ist das Sternbild Waage dasselbe wie das Sternzeichen Waage?

Nein. Das Sternzeichen ist ein astrologischer Abschnitt des Jahres von 30 Grad (24.09. bis 23.10.). Das Sternbild ist eine reale Sterngruppe mit festen Grenzen. Durch die Präzession der Erdachse steht die Sonne heute erst etwa vom 31. Oktober bis 22. November im Sternbild Waage.

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