Das Sternbild Jungfrau (lateinisch Virgo) ist das größte Sternbild im Tierkreis und nach der Wasserschlange das zweitgrößte am ganzen Himmel. Bis auf den hellen Stern Spica sind seine Sterne eher unauffällig. Dafür liegt hinter der Jungfrau eine der spannendsten Himmelsregionen überhaupt: ein riesiger Haufen aus Galaxien.
Wo steht die Jungfrau am Himmel?
Die Jungfrau liegt auf der Ekliptik zwischen dem Löwen und der Waage, südlich des Großen Wagens und südwestlich des hellen Arktur. Sie erstreckt sich über den Himmelsäquator, ihr hellster Stern Spica steht bereits etwas südlich davon.
Mit 1.294 Quadratgrad nimmt das Sternbild Jungfrau Platz 2 der 88 Sternbilder ein. Es hat acht Nachbarn: Bärenhüter und Haar der Berenike im Norden, der Löwe im Westen, Becher, Rabe und Wasserschlange im Süden sowie die Waage und die Schlange im Osten.
Auch die Ekliptik zieht sich durch die Jungfrau. Spica liegt nur rund zwei Grad von ihr entfernt, deshalb kommen Mond und Planeten dem Stern häufig nahe. Außerdem liegt im Sternbild Jungfrau heute der Herbstpunkt: Hier überquert die Sonne um den 22./23. September den Himmelsäquator von Nord nach Süd.
So findest du das Sternbild Jungfrau
Der bekannteste Weg zur Jungfrau führt über den Großen Wagen: Folge dem Bogen der Deichsel zum hellen Arktur und von dort weiter zu Spica. Englischsprachige Sterngucker merken sich das als „Arc to Arcturus, speed on to Spica“.
So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Großen Wagen suchen: Im Frühling steht er abends hoch über dir.
- Dem Bogen folgen: Die drei Deichselsterne bilden einen leichten Bogen. Verlängere diesen Bogen nach Süden, bis du auf einen hellen, orangefarbenen Stern triffst: Arktur im Bärenhüter.
- Weiter zu Spica: Führe den Bogen etwa genauso weit fort. Der nächste helle, bläulich-weiße Stern tief im Süden ist Spica, das Herz der Jungfrau.
- Die Figur ergänzen: Von Spica aus findest du nordwestlich Porrima. Von dort ziehen sich die schwächeren Sterne in einer Y-förmigen Figur Richtung Löwe und nach Norden zu Vindemiatrix.
Ein zweiter Weg führt über den Löwen: Denebola, die Schwanzspitze des Löwen, steht nordwestlich der Jungfrau. Eine drehbare Sternkarte hilft dir bei der Orientierung zu jeder Uhrzeit. Weitere Tipps findest du im Ratgeber Stern finden.
Wann ist die Jungfrau sichtbar?
Am besten siehst du das Sternbild Jungfrau in Deutschland von April bis Juni am Abendhimmel. Im Mai erreicht Spica gegen 23 Uhr ihren höchsten Stand im Süden, im Juni schon gegen 21 Uhr, dann allerdings noch in der hellen Abenddämmerung.
Weil die Jungfrau zum großen Teil südlich des Himmelsäquators liegt, steigt sie in Deutschland nicht besonders hoch. Ein freier Blick nach Süden ist deshalb hilfreich. Ab Juli sinkt sie abends in den Südwesten, von etwa Mitte September bis Ende Oktober ist sie unsichtbar.
Warum die Jungfrau im September nicht zu sehen ist
Das Sternzeichen Jungfrau gilt in der Astrologie vom 24. August bis 23. September. Wegen der Präzession der Erdachse haben sich Sternzeichen und Sternbilder seit der Antike um fast ein ganzes Zeichen gegeneinander verschoben. Die Sonne steht heute tatsächlich etwa von Mitte September bis Ende Oktober im Sternbild Jungfrau, rund 45 Tage lang und damit länger als in jedem anderen Tierkreissternbild. In dieser Zeit ist die Jungfrau nachts nicht zu sehen.
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Jetzt gestalten →Mythologie: Göttin der Gerechtigkeit und der Ernte
In der griechischen Mythologie wird die Jungfrau meist mit Dike oder Astraia verbunden, der Göttin der Gerechtigkeit, oft auch mit der Erntegöttin Demeter oder ihrer Tochter Persephone. Typisch für alle Deutungen ist die Ähre in ihrer Hand, markiert durch Spica.
Nach der Sage lebte Astraia im Goldenen Zeitalter unter den Menschen. Als diese immer gewalttätiger wurden, verließ sie als letzte Göttin die Erde und zog sich an den Himmel zurück. Die benachbarte Waage wird oft als ihre Waage der Gerechtigkeit gedeutet.
Die Verbindung zur Ernte zeigt sich in den Sternnamen: Spica ist lateinisch für „Ähre“, Vindemiatrix bedeutet „Winzerin“. In der Antike ging Vindemiatrix um die Zeit der Weinlese in der Morgendämmerung auf.
Besonderheiten im Sternbild Jungfrau
Die größte Besonderheit der Jungfrau ist der Virgo-Galaxienhaufen mit weit über 1.000 Galaxien, darunter die Riesengalaxie M87. Mit bloßem Auge siehst du davon nichts, mit einem Teleskop aber Dutzende Galaxien.
- Virgo-Haufen: Der nächstgelegene große Galaxienhaufen ist rund 50 bis 60 Millionen Lichtjahre entfernt. Er liegt im Grenzgebiet von Jungfrau und Haar der Berenike, im Bereich zwischen Vindemiatrix und Denebola.
- M87: Eine riesige elliptische Galaxie im Zentrum des Virgo-Haufens. 2019 veröffentlichte das Event Horizon Telescope hier das erste Bild vom Schatten eines Schwarzen Lochs.
- Sombrerogalaxie (M104): Eine Galaxie mit markantem Staubband, die von der Seite wie ein Hut aussieht. Sie liegt im Süden des Sternbilds nahe der Grenze zum Raben.
- 3C 273: Der erste als solcher erkannte Quasar und einer der hellsten. Mit einem größeren Amateurteleskop ist er als schwaches Sternchen sichtbar, obwohl er Milliarden Lichtjahre entfernt ist.
- Porrima: Ein enger Doppelstern, dessen zwei Komponenten sich in rund 169 Jahren umkreisen. Je nach Bahnstellung sind sie im Teleskop leichter oder schwerer zu trennen.
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Die hellsten Sterne in der Jungfrau
| Stern | Helligkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Spica (α Virginis) | ca. 1,0 mag | Hellster Stern der Jungfrau, bläulich-weißes Doppelsternsystem in rund 250 Lichtjahren Entfernung; die „Kornähre“ |
| Porrima (γ Virginis) | 2,7 mag | Gesamthelligkeit eines Doppelsterns aus zwei fast gleichen Sternen, die sich in rund 169 Jahren umkreisen |
| Vindemiatrix (ε Virginis) | 2,8 mag | Gelber Riesenstern, die „Winzerin“; im Norden des Sternbilds |
| Heze (ζ Virginis) | 3,4 mag | Weißer Stern nordöstlich von Spica, nahe dem Himmelsäquator |
| Minelauva (δ Virginis) | 3,4 mag | Roter Riesenstern zwischen Porrima und Vindemiatrix |
| Zavijava (β Virginis) | 3,6 mag | Westlichster heller Stern, nahe der Grenze zum Löwen |
Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.
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