Das Sternbild Schütze (lateinisch Sagittarius) ist das Tor zum dichtesten Teil der Milchstraße. In seiner Richtung liegt das Zentrum unserer Galaxis, und kaum ein anderes Sternbild enthält so viele Sternhaufen und Nebel. Von Deutschland aus steht der Schütze allerdings sehr tief. Hier erfährst du, wie du ihn trotzdem findest und was ihn so besonders macht.
Wo steht der Schütze am Himmel?
Der Schütze liegt weit südlich des Himmelsäquators östlich des Skorpions, mitten im hellsten Abschnitt der Sommermilchstraße. Von Deutschland aus siehst du nur seinen nördlichen Teil, und auch den nur knapp über dem Südhorizont.
Die Ekliptik zieht durch den nördlichen Bereich des Sternbilds, dicht am Deckel der Teekanne vorbei. Darum stehen Mond und Planeten regelmäßig im Schützen. Auch die Wintersonnenwende findet heute statt, während die Sonne im Schützen steht.
Westlich grenzt der Skorpion an, östlich der Steinbock, im Norden Schlangenträger, Schild und Adler. Die südlichen Nachbarn wie Südliche Krone oder Fernrohr bleiben von Deutschland aus weitgehend unter dem Horizont.
So findest du das Sternbild Schütze
Suche an einem klaren Augustabend gegen 22:30 Uhr tief im Süden nach acht Sternen, die eine Teekanne bilden. Die Tülle zeigt nach rechts, der Henkel nach links, der Deckel nach oben.
- Antares als Startpunkt: Im Südwesten leuchtet der rötliche Antares im Skorpion. Gut eine Handspanne links davon, also östlich, liegt die Teekanne.
- Die Kanne erkennen: Kaus Borealis bildet die Spitze des Deckels. Darunter liegt der Kannenkörper mit Kaus Media und Kaus Australis. Nach rechts weist die Tülle mit Alnasl, nach links der Henkel mit Nunki und Ascella.
- Den Dampf sehen: Unter dunklem Himmel steigt über der Tülle die helle Milchstraße auf – wie Dampf aus der Kanne.
- Alternativ über das Sommerdreieck: Folge vom hellen Atair im Adler aus der Milchstraße schräg nach rechts unten Richtung Horizont, bis du auf die Teekanne triffst.
Kaus Australis, der hellste Stern, steht in Mitteldeutschland nur rund 6 Grad hoch. Ein freier Südhorizont ist deshalb Pflicht, ideal sind ein Hügel, ein Feld oder ein See. Eine drehbare Sternkarte zeigt dir die passende Uhrzeit für dein Datum. Allgemeine Tipps findest du im Ratgeber Stern finden.
Wann ist der Schütze sichtbar?
Die beste Zeit für das Sternbild Schütze sind Abende im Juli und August. Dann steht die Teekanne um 22 bis 24 Uhr im Süden am höchsten, allerdings nur etwa 5 bis 15 Grad über dem Horizont.
In Süddeutschland hast du einen kleinen Vorteil: Dort steht die Teekanne einige Grad höher als in Norddeutschland, wo Kaus Australis kaum noch über den Horizontdunst kommt. Am besten wirkt der Schütze in mondlosen Nächten fernab der Städte, wenn die Milchstraße sichtbar ist.
Im Sternzeichen-Zeitraum (23.11. – 21.12.) siehst du das Sternbild nicht: Dann steht die Sonne nahe am Schützen oder darin. Durch die Präzession der Erdachse hat sich der Tierkreis seit der Antike um etwa einen Monat verschoben. Heute steht die Sonne etwa vom 18. Dezember bis 19. Januar im Sternbild Schütze. Davor durchquert sie den Skorpion und den Schlangenträger, ein dreizehntes Sternbild auf der Ekliptik.
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Jetzt gestalten →Mythologie: Ein Kentaur mit Pfeil und Bogen
Der Schütze wird meist als Kentaur dargestellt, halb Mensch, halb Pferd, der mit gespanntem Bogen auf das Herz des Skorpions zielt. Die Pfeilspitze liegt bei Alnasl, die Richtung weist auf Antares.
Die Figur stammt ursprünglich aus Mesopotamien, wo ein geflügelter Bogenschütze mit Pferdekörper als Gott Pabilsag bekannt war. Die Griechen übernahmen das Bild. Welcher Kentaur gemeint ist, war schon in der Antike umstritten: Oft wird er mit dem weisen Chiron gleichgesetzt, der aber meist dem Sternbild Zentaur zugeordnet wird. Eine andere Überlieferung nennt den Satyr Krotos, der als Erfinder des Bogenschießens galt.
Ungewöhnlich ist die Benennung der Sterne: Rukbat (α Sagittarii) und Arkab (β Sagittarii) sind nur rund 4 mag hell und gehören nicht zu den auffälligen Sternen. Die hellsten Sterne tragen die Buchstaben Epsilon und Sigma.
Besonderheiten im Sternbild Schütze
Kein anderes Sternbild enthält so viele Messier-Objekte wie der Schütze: insgesamt 15. Dazu kommt das Zentrum der Milchstraße.
- Galaktisches Zentrum: Wenige Grad westlich der Tülle, an der Grenze zu Skorpion und Schlangenträger, liegt das Zentrum unserer Galaxis mit dem Schwarzen Loch Sagittarius A*. Es ist rund 26.000 Lichtjahre entfernt, hat etwa vier Millionen Sonnenmassen und wurde 2022 vom Event Horizon Telescope abgebildet. Sehen kann man es nicht, Staubwolken verdecken es.
- Lagunennebel (M8): Ein großes Sternentstehungsgebiet über der Tülle. Unter dunklem Himmel ist er mit bloßem Auge als heller Fleck zu erkennen, im Fernglas zeigt sich ein Sternhaufen in einem Nebel.
- Trifidnebel (M20) und Omeganebel (M17): Zwei weitere bekannte Gasnebel, gut im Fernglas oder kleinen Teleskop.
- M22: Einer der hellsten Kugelsternhaufen am Himmel, nahe Kaus Borealis, im Fernglas als runder Nebelfleck sichtbar.
- Kleine Sagittarius-Sternwolke (M24): Ein besonders dichter Ausschnitt der Milchstraße, der wie ein heller Lichtfleck wirkt.
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Die hellsten Sterne im Schützen
| Stern | Helligkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Kaus Australis (ε Sagittarii) | 1,8 mag | Hellster Stern des Schützen, unterer Rand der Teekanne, steht in Deutschland sehr tief |
| Nunki (σ Sagittarii) | 2,1 mag | Oberer Stern am Henkel der Teekanne |
| Ascella (ζ Sagittarii) | 2,6 mag | Unterer Stern am Henkel der Teekanne |
| Kaus Media (δ Sagittarii) | 2,7 mag | Orangefarbener Riese, Ecke zwischen Tülle und Kannenkörper |
| Kaus Borealis (λ Sagittarii) | 2,8 mag | Spitze des Deckels, nahe der Ekliptik |
| Alnasl (γ² Sagittarii) | 3,0 mag | Spitze der Tülle, zeigt Richtung Milchstraßenzentrum |
Helligkeit in scheinbarer Größe (mag): Je kleiner der Wert, desto heller. Mit bloßem Auge sind unter dunklem Himmel Sterne bis etwa 6 mag sichtbar, in der Stadt meist nur bis 3–4 mag.
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